Bill Maher und das Evangelium des Nichtwissens

Standard

Je nachdem, wen man fragt, ist Bill Maher entweder eine der Speerspitzen der globalen Atheismusbewegung oder ein ein sexistischer Spinner. Leider lassen viele seiner Zitate darauf schließen, dass die Wahrheit anscheinend irgendwo in der Mitte liegt. Deshalb bin ich immer etwas hin und hergerissen, wenn es um ihn geht.

Nichtsdestotrotz: Ohne seinen fragwürdigen Charakter auszublenden, lässt sich dennoch nicht leugnen, dass an seinem Zitat aus dem Interview mit The Atlantic eine Menge dran ist. In Bezug auf den beliebten Non Sequitur-Fehlschluss religiöser Menschen hinsichtlich der Existenz Gottes – nämlich: dass es einen Gott geben muss, weil Atheisten nicht das Gegenteil beweisen können –, sagt Bill Maher:

As far as the question of how do we know? No, we don’t know. Am I a billion percent sure? Nobody is a billion percent sure of anything. (…) So you know we don’t know the answers but the answer to that is not to make up stories. If you don’t know something, just say, I don’t know. That’s your gospel right there. The gospel of “I don’t know.”

Übersetzt in etwa:

Wissen wir über das „wie“ Bescheid? Nein. Bin ich mir eine Milliarden Prozent sicher? Niemand ist sich eine Milliarden Prozent sicher. Also wissen wir, dass wir die Antwort nicht kennen, aber mit Sicherheit besteht die Antwort nicht darin, sich Geschichten auszudenken. Wenn du etwas nicht sagst, gib es einfach zu. Da hast du dein Evangelium. Das Evangelium des Nichtwissens.

Man stelle sich vor, ein Schulkind würde die Antwort auf eine Matheaufgabe nicht kennen. Stattdessen zeichnet es ein Einhorn. Das, im Prinzip, ist die Schöpfungsgeschichte. Eine willkürliche Antwort auf Fragen, deren Antworten wir (noch) nicht belegen können.

Religionen würde mehr Demut und das Eingeständnis des Nichtwissens gut zu Gesicht stehen. In der Geschichte der Menschheit war es zumeist die Religion / die Kirche, die den Fortschritt aufhalten wollte. Natürlich gibt es auch dogmatische, unbelehrbare Wissenschaftler. Aber im Großen und Ganzen betrachtet, besteht der Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft in ihren Prämissen: Religion sagt „Ich weiß es“. Wissenschaft sagt „Ich weiß es nicht“. Und forscht weiter. Um bei umstrittenen Quellen zu bleiben: Eckart von Hirschhausen sagt richtigerweise:

Die Wissenschaft ist der aktuelle Stand des Irrtums.

Nicht umsonst kennt man in der Wissenschaft das Prinzip des Peer Review. Wohingegen sich die Bibel aus sich selbst heraus legitimiert, was mindestens fragwürdig ist. Als kritischer Mensch würde ich mir hinsichtlich der Bibel mehr „peer review“ wünschen. Was meinst du?

Artikelbild: Question Mark in EsbjergAlexander Henning DrachmannBestimmte Rechte vorbehalten