Über dieses Blog

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Hallo, mein Name ist Misha Anouk.

Ich war Zeuge Jehovas.

Ich bin Autor und lebe in Wien. Dieses Projekt ist ein Blog über meine Zeit bei den Zeugen Jehovas. Ich erzähle

  • wie es war, in einer Zeugen Jehovas-Familie aufzuwachsen
  • wie es sich anfühlt, von Haus zu Haus zu missionieren
  • warum ich mich mit 14 Jahren als Zeuge Jehovas taufen ließ
  • wie eine Jugend bei den Zeugen Jehovas aussah
  • uvm.

Ich habe dieses Blogprojekt im Oktober 2013 zunächst anonym hier begonnen. Jeden Mittwoch veröffentliche ich hier eine neue Episode aus meinem Leben. Auf meiner Homepage mishaanouk.com blogge ich außerdem über alle möglichen Themen, schau mal vorbei. Folge mir bei Twitter, werde Fan der Facebookseite dieses Projekts und/oder meiner persönlichen Facebookseite, um keinen Beitrag über die Zeugen Jehovas zu verpassen.

Warum dieses Blog so heißt, wie es heißt

Geisteskrankheiten können als Oberbegriff für jede Art von seelischer Störung verstanden werden oder spezieller als Psychose, d.h. als Krankheitsgruppe mit klinisch stärker ausgeprägter Symptomatik und eher ungünstiger Prognose. Im medizinischen und psychologischen Sprachgebrauch findet der Begriff Geisteskrankheit heute wegen definitorischer Schwierigkeiten kaum noch Verwendung.

Quelle: Wikipedia

Angenommen, ein Arzt schärft dir ein, dich strikt von einer Person fernzuhalten, die an einer ansteckenden, tödlichen Krankheit leidet. Dir wäre völlig klar, was der Arzt dir sagen will, und du würdest dich gewissenhaft daran halten. Über Abtrünnige sagt die Bibel, dass sie „geistig krank“ sind und andere mit ihrem treulosen Gedankengut infizieren wollen (1. Tim. 6:3, 4). Jehova, der beste „Arzt“, rät uns dringend, jeden Kontakt mit ihnen zu meiden. Uns ist klar, was er damit meint. Fragen wir uns: Bin ich fest entschlossen, konsequent auf seine Warnung zu hören?

Quelle: Zeitschrift Wachtturm der Zeugen Jehovas, Ausgabe 15. Juli 2011, jw.org

In diesem Blog schreibe ich Geschichten über meine Zeit als Zeuge Jehovas. Mein Ziel ist es, meine Erlebnisse wiederzugeben; ungeschönt, ohne zu übertreiben. Sofern nicht entsprechend gekennzeichnet, beruhen sie auf persönlichen Erfahrungen, Eindrücken und Beobachtungen, die ich während meiner 20 Jahre als ZJ gemacht habe. Womöglich haben sich in den letzten zehn Jahren Details geändert. Und vielleicht hast du andere Erfahrungen gemacht. Ich erhebe weder Anspruch auf Vollständigkeit noch behaupte ich, dass meine Gefühle, Empfindungen und Schlussfolgerungen repräsentativ sind. Ich glaube aber, dass meine Darstellung einer Kindheit bei den Zeugen Jehovas in den 80ern und 90ern in Deutschland authentisch ist.

Zeugen Jehovas bezeichnen andersdenkende Ex-Mitglieder offiziell als „geistig krank“ – siehe oben. Ich halte das für einen verantwortungslosen Umgang mit diesem Begriff. Weil ich Selbstironie für einen guten Weg halte, mit solchen Dingen umzugehen, habe ich meinen Blogtitel entsprechend gewählt.

Mit diesem Blog möchte ich weder der Wachtturm-Gesellschaft noch Einzelpersonen bei den Zeugen Jehovas schaden. Ich blogge, um eine Vergangenheit aufzuarbeiten. Wenn ich etwas behaupte, dass über das eigene Erlebte hinausgeht, versuche ich es anhand von Zitaten aus Publikationen der Wachtturm-Gesellschaft zu belegen.

Alle Rechte der Texte liegen bei mir. Ich freue mich über Verlinkungen. Die Texte dürfen zitiert werden, solange die URL dieses Blogs als Quelle genannt wird.

43 Gedanken zu “Über dieses Blog

  1. Jonathan

    Klasse. Sehr interessant zu hören wie es einem in etwa gleichaltrigen bei den Zeugen ging.
    Bin schon gespannt auf die Episode wie du ausgetreten bist. Eine Frage: diese Wachturm und Erwachet Heftchen. Ich hab mir hier und da mal eines mitgenommen und jedesmal den Kopf geschüttelt, a la: „wie einfältig muss man sein um das zu glauben“. Da waren Sätze drin wie „Früher hatte ich lange Haare und spielte in einer Rockband, heute geht es mir viel besser, denn ich bete jeden Tag und habe eine anständige Frisur“. Dazu ein vorher-nachher Foto von einem eher ehrlich glücklich wirkenden Jungen Mann (vorher) und einem gequält lächelnden Kerl mit Krawatte (nachher) . Meine Frage: wie hast du diese Texte empfunden? Ähnlich naiv wie ein Aussenstehender oder doch mit mehr, naja, Verständnis?
    Gruß,
    J.

  2. Nine

    Hi, ich bin gerade über einen Link zu deinem Blog gekommen und kann nur bestätigen, was du erzählst: Heute sieht es genauso aus. Ich habe das große Glück, dass mein Vater erst Zeuge wurde, als ich bereits erwachsen war (ich bin jetzt 22). Die ersten Stunden mit Bibelstudium gab es bei und etwa seit ich 13 oder 14 war und bereits sehr gefestigt in Glaubensfragen. Von der Rhetorik war ich immer schon sehr befremdet. Als wahre Leseratte hatte ich das Gefühl sprachlich dem Niveau eines Kindes zu begegnen, wenn ich die „Anleitungen“ zum Verständnis der Bibel las. Anfangs war ich noch interessiert und mir war es auch wichtig, die Bibel zu kennen (bis heute bin ich gläubige Katholikin), aber irgendwie wurde es mir dann zu abstrus. Als ich noch zu Hause wohnte, versuchte mir mein Vater dann meinen „Unglauben“ (für mich besteht die Bibel hauptsächlich aus Metaphern) wegzudiskutieren. Ich bekam Hefte mit Titeln wie „Warum die Evolutionstheorie nicht wahr sein kann“, die Halbwahrheiten uns kontextlose Bibelverse als Argumentation verkauften. Am lustigsten war für mich ein Heft für Jugendliche, in dem stand, dass Händchenhalten zu Sex führt. Besonders aufgefallen ist mir auch die volkommene Identifikation als Zeuge, die du auch erwähnst. Mein Vater deutet alles, was er erreicht hat um. Er hat es dann nur dank Jehova geschafft, obwohl er in der Zeit eigentlich nicht gläubig war. Inzwischen vermeide ich jede Diskussion über Glaube mit meinem Vater, seitdem verstehen wir uns besser. Ich muss auch sagen, dass er, seit er Zeuge ist, weniger aufbrausend und stur ist als früher. Um ihm eine Freude zu machen war ich dieses Jahr sogar als Gast bei der Abendmahlfeier. Aber ich glaube, das ist auch nur möglich, weil ich nicht mehr im Haushalt meines Vaters gelebt habe, als er getauft wurde. Ich habe schon Angst, dass mein Vater irgendwann mit mir keinen Kontakt mehr haben darf/möchte. Auch in seinem Bezirk gab es dafür Beispiele. Ich möchte dir auf jeden Fall sagen, dass ich es bewundere, wie du es geschafft hast, ehrlich zu dir zu werden und dafür auch dein soziales Umfeld zu opfern. Ich kann es mir nicht vorstellen, wie es ist, wenn man wirklich zum Zeugen erzogen wird und sich dann emanzipiert und feststellt: Für diese Emanzipation muss ich meine Familie zurücklassen. Ich schließe mich Jonathan an: Darauf bin ich gespannt.

    Zur Rhetorik: Mein Vater sagt dazu, dass schließlich auch jeder die Texte verstehen muss, daher seien sie so einfach und klar in den Aufforderungen. Er liest sie wirklich gerne, weil er sie durch diese Einfachheit auch auf der Arbeit zwischendurch gut lesen kann. Ergo: Nicht alle Zeugen sehen die agitatorische Rhetorik so negativ und aufdringlich.

    • Ich danke dir! Ich freue mich, wenn du dranbleibst und mitliest! Und klar, natürlich sieht das jeder anders. Ich will auch niemanden vom Gegenteil oder von meiner Meinung überzeugen – ich will nur aus meinem Leben berichten 🙂

  3. Hey hab deinen Blog zufällig entdeckt – werde jetzt einmal ein bisschen hinein schmökern, finde aber schon nach den ersten zwei, drei Artikeln dass du eine sehr aufrüttelnde Art zu berichten hast! Es wirkt sehr – hautnah aber eben NICHT irgendwie geschönt oder übertrieben … lieben Gruß aus Innsbruck

  4. Joana

    Das klingt ja seehr vertraut alles, haha 😉 Selber Zeitraum, ähnliche Geschichte. Ich finde deinen Bericht gut, denn er ist geschrieben wie es ist. Habe nach meinem Bruch mit den ZJ auch viel im Internet gelesen, aber die meisten Reportagen zu dem Thema sind wahnsinnig emotional und überzogen teilweise auch einfach nicht wahr. Ich denke es ist ein realistischer Einblick für jeden, der nicht so aufgewachsen ist.

  5. noch so ein Abtrünniger

    Ich habe einen ähnlichen Werdegang bei den ZJ hinter mir, bei mir liegt diese Zeit mittlerweile zwanzig Jahre zurück. Die Lektüre Deiner Schilderungen hat mir großen Spaß gemacht und so manche verschüttete Erinnerung geweckt. Bitte unbedingt weiter schreiben!

  6. Luca

    Persönlich bin ich kein ZJ und war es auch nie. Selbst in meinem Umfeld kannte ich keine (jedenfalls fiel es nie auf). Allerdings sind viele Familienmitglieder und Personen im generellen Umfeld Mennoniten und ich musste beim Lesen eines Artikels for kurzem mit erstaunen feststellen, dass es ziemlich viele Schnittstellen zwischen den beiden Glaubensrichtungen gibt, im Guten und im Schlechten. Dies macht die Geschichten auf komische Art und Weise bekannt, obwohl ich nur mit der einen Religion direkt bekannt gemacht worden bin.

    Aber auch ihr Schreibstil ist sehr schön wodurch man immer wieder zum Weiterlesen gebracht wird. Ich freue mich schön, mehr von Ihnen zu lesen!

      • Nicole

        Danke für diesen tollen Blog! Ich bin 31 und bis zu meinem 16. LJ im wahren Glauben aufgezogen worden. Dann wurde meine Mutter ausgeschlossen und ich folgte – trotz Todesangst. Genau wie du war ich von Kindheit an von Zweifeln zerfressen – aber es war alles, was ich kannte und wer geht schon freiwillig das Risiko ein, Gottes‘ Zorn auf sich zu ziehen;-)?

        Ich freue mich schon sehr auf weitere Beiträge!

  7. Chris

    Super Block…mein Austritt liegt nun rund 10 Jahre zurück, ich bin heute 28..viele Dinge von denen Du schreibst kann ich nur 1:1 unterschreiben….es ist schon verrückt..man denkt immer, man ist so alleine mit seinen Erfahrungen..und dann gibt es doch immer wieder vereinzelt Menschen, die den gleichen Mist so oder so ähnlich durchlebt haben…ich bin 4 Jahre nach meinem Austritt an einer schizoiden Störung erkrankt, habe einen langen Leidensweg hinter mir…ich habe Philosophie studiert, später Pädagogik und war immer auf der Suche nach einem Ersatz für das, was mir damals verloren ging…Heute geht es mir sehr gut, ich bin wieder gesund, habe einen schönen Beruf und viel Gelassenheit hinsichtlich der Zeit von damals erlangt..auch wenn ich ebenfalls keinen Kontakt mehr zur meiner Familie habe..Das schmerzt natürlich auch etwas, das vergeht auch nie ganz..aber dem Gedankenkonstrukt der Zeugen bin ich meilenweit entwachsen, glücklicherweise…Es tangiert mich nicht mehr, manchmal muss ich schmunzeln, manchmal bin ich erschrocken über diese Lehren..Ich hätte nie gedacht, dass nach der langen Zeit der Schatten nach meinem Austritt einmal wieder die Sonne scheint…aber das tut sie nun wieder einigermaßen…und solche Geschichte, wie du sie schreibst, und auch das Wissen, dass es da draußen Menschen gibt, die mich gut verstehen können, denen auch ich gut nachfühlen kann, stimmen mich weiterhin sehr froh. Weiter so. …ein „Bruder im Geiste“ 🙂

  8. Ich verfolge diesen Blog hööööchschtamüsiert, obwohl mir aufgrund der eigenen Kindheitserlebnisse in der „lustigsten Sekte der Welt“ so manchesmal das Lachen im Halse stecken bleiben will. Sehr gut finde ich, dass Du statt Hass Humor verwendest und diese Sekte dadurch noch viel klarer in ihrer ganzen Erbärmlichkeit zeigst. Weiter so!

  9. djigara

    1 A. Ich habe sehr viel lachen müssen, alleine das mit dem Einkaufen in C&A vorm Kongress und dem Wellensittich :)))) super wiedergegeben. Erkenne mich in vielem wieder… freue mich auf deinen nächsten Beitrag! Konnte deine Erzählungen nutzen um meiner Mutter mal ganz offen eben von diesen kindlichen Àngsten zu erzählen. Danke dafür 😀

      • djigara

        Sie war sich dessen nie wirklich bewusst und sie wollte mir und meinen geschwistern damals auch nichts böses. Dazu muss ich sagen dass meine mutter nicht zu den „radikalen“ gehört 🙂 sie ist und war was unsere erziehung anging immer locker. Wir durften immer mit den nachbarskindern spielen und zum predigtdienst mussten wir auch nie wenn wir nicht wollten. Sie ist der meinung dass man nichts damit erreicht, wenn man kindern ihre eigenen entscheidungen vorenthält. Ausserdem sagt sie, dass kinder mit der schule und den versammlungsbesuchen mehr als bedient sind. Sie sollen schliesslivh auch zeit haben zum kindsein 🙂

  10. Anette Vogel

    Eine frühere Klassenkameradin ist bei der Geburt ihres 1. Kindes im Krankenhaus verblutet weil sie wegen ihres Jehovaglaubens keine Bluttransfusion annehmen durfte. Ihr Mann ist zwei Jahre
    später auf einer gerade Strecke an einen Baum gefahren und tödlich verunglückt. Am Auto soll kein technischer Defekt vorgelegen haben. Augenzeugen sagen, dass der Mann unvermittelt den Baum angesteuert habe.

  11. N.A.D.

    Ich bin auch begeistert von Deiner Art zu schreiben! Deine Schreibweise ist so erfrischend und es ist geradezu verblüffend wie ich mich in nahezu 90% der Erzaehlungen wiederfinde. Vor allem Deine Gefuehle beim Versammlungsbesuch, Deine Gedanken waehrend langer Gebete, das heimliche Umherblicken beim Beten, der gefakte Gesang, die Angst und der Druck im Predigdienst – ich finde mich in so Vielem wieder! Danke danke danke. Bitte schreib weiter so. Bin auch gespannt auf Deine Ausstiegserzaehlungen!
    Ich selbst habe vor 20 Jahren mein Elternhaus als getaufter ZJ verlassen, als ich „im Herrn“ geheiratet habe. Daraus wuerde schnell Untaetigkeit, dann Scheidung und und und, allerdings nie ein Ausschluss – ob ich heute ausgeschlossen bin, weiss ich nicht. Nur eines meiner 5 Geschwister ist „im Glauben“ und wir hatten immer guten Kontakt. Erst seitdem ich vor kurzem meine eigene Entscheidung zum Thema Religion getroffen habe, bin ich geächtet – meine Eltern setzen sich (Gott sei Dank) ueber die Regeln hinweg und halten Kontakt.

    • Danke! Ich schreibe weiter – versprochen! Es freut mich, dass du dich in vielen Dingen wiedererkennst. Und wie schön, dass deine Eltern eurer familiären Beziehung den Vorzug geben. Das ist lobenswert.

  12. Hanna

    Hi, bin auch eher zufällig bei deinem Blog gelandet und bin sehr berührt. Ich bin 18 und habe mich vor ca. 1 Jahr ausschließen lassen. Vieles in diesem Blogs habe ich ähnlich erlebt, bei vielem musste ich auch schmunzeln weil ich als junge Teenagerin immer dachte nur mir ginge es so (zB mit der Unlust, sich auf Zusammenkünfte vorzubereiten); die anderen Jugendlichen waren zwar allgemein „cool“ und normal, schienen aber immer so wahnsinnig motiviert oO Inzwischen glaube ich dass viele Jugendliche irgendwann die persönlichen Ansichten nicht mehr mit denen der ZJ vereinbaren können, sich jedoch auch nicht von dem Glauben lossagen aus Angst vor dem Verlust des kompletten sozialer Umfelds.. das finde ich sehr traurig.

    Ich finde es auf jeden Fall gut, dass du über deine Erfahrungen schreibst und somit anderen Aufsteigern zeigst, dass sie nicht allein sind.

    Liebe Grüße

    Hanna

  13. Ivonne

    Hi. Ich bin seit einem anderthalben Jahr ausgeschlossen. Ich suche seit einiger Zeit Erfahrungsberichte. Und dein blog ist echt der Beste. So wie es war und ist. Vielen Dank. Ich werde hier weiter schmõkern.

  14. Simply wish to say your article is as surprising.
    The clarity in your post is just nice and i could assume you are an expert on this subject.
    Fine with your permission let me to grab your RSS feed to keep updated with
    forthcoming post. Thanks a million and please carry on the gratifying work.

  15. Karl-Hein Kattenbek

    Wenn ich 1. Tim. 6:4 richtig lese, dann ist hier (wohl in der typisch Paulus’schen pointierten Sprache) von solchen die Rede, die „eine andere Lehre als die des Christus“ lehren, sondern sich in Wortzänkereien ergehen. In der Lutherbibel heißt es noch ein wenig drastischer, so jemand habe die „Seuche der Fragen und Wortkriege…“ während es in der revidierten NW-Übersetzung heißt, er sei „besessen von Wortgefechten“ bzw. habe eine „ungesunde Faszination“ zu ihnen.

    Da betreiben Sie glaube ich ein wenig „Amtsanmaßung“ mit Ihrer Selbstbezichtigung als „Abtrünniger“. – Sie hatten Sex mit jemandem, mit dem Sie nicht verheiratet waren, obwohl Sie wussten, dass das gegen biblische Sittenmaßstäbe verstößt und haben es nicht bereut. (Das wird in vielen Kulturen der Welt – trotz evtl. Reue – noch wesentlich strenger geahndet als mit bloßem Rauswurf. Da hatten Sie ja richtig Glück!)

    Abtrünniger ist wohl frei nach Paulus eher jemand, der „anders lehrt und nicht bei den heilsamen Worten unseres Herrn Jesu“ bleibt. Waren Sie DAS? Ein „Anders Lehrer“? – Und überhaupt: Wieso freuen Sie sich eigentlich nicht, mit diesem komischen Haufen nix mehr zu tun haben zu müssen sondern arbeiten sich jetzt jahrelang an dieser Religion ab, laden sich Literatur runter und pilgern zu den Kongressen? – Sie sind da weg, und damit sollen Sie es gut sein lassen!

    Die meisten Leute, die sich hier tummeln, haben wahrscheinlich mit Glauben & Co. ohnehin nicht so viel am Hut und finden JZ irgendwo zwischen putzig und abgedreht, vielleicht sogar komplett plemplem, und wenn es Ihr Wunsch ist, diese Urteile zu bedienen, sind Sie wahrscheinlich auf gutem Weg. So kaufen vielleicht noch ein paar Leute mehr Ihr Buch, von irgendwas muss der Mensch ja leben.

    Ich betrachte das als Nachtreten!

    Sie haben sich mit 14 als ZJ taufen lassen? Das ist DAS Alter, in dem man über seine eigene Religion selber entscheiden darf. Solange Sie nicht schreiben, dass Sie da rein gezwungen wurden, gehe ich mal davon aus, dass das freiwillig war (soweit Sie sich persönlich mit 14 dieser Tragweite bwusst sein konnten), und genauso freiwillig sind Sie da wieder raus, mit ein bisschen mehr Getöse halt.

    Wo bleiben jetzt noch die Horrorstories von Indoktrinationen durch diese „Sekte“, glaubensgesteuerten Prügelorgien Ihrer Eltern und jahrelangem Missbrauch durch Älteste? Von Gehirnwäsche vor Ihrem Rausschmiss und Nachstellungen danach?

    Mal ganz ehrlich: Wenn ICH mich heute dazu entschließe, mein Bündel zu schnüren und auszuwandern, dann darf ich nicht lamentieren, dass ich nun mein ganzes soziales Umfeld verliere und in ein tiefes Loch falle, weil ich keinen mehr kenne und mir alles neu aufbauen muss. So hab ich mir das ja ausgesucht! – Wie Sie auch!

    Aber irgendwie kommen Sie von dieser „Kartoffel“ Zeugen Jehovas wohl nicht los, was? (Ich fand diesen Kommentar eines Lesers in Ihrem Blog über den Kongress in Wien höchst amüsant und treffend 😀 )

    An alle: Unbedingt lesen! Brüller!

  16. persönliche Integrität

    Hallo, Ich bin gerade dabei, dein Buch zu lesen. Ich wurde vor 3 Jahren ausgeschlossen, bzw. habe alles gemacht um es darauf ankommen zu lassen. Ich habe all diese Zeit gebraucht, um mich scheiden zu lassen, mich aufzukrempeln und ein neues Leben zu gestalten. Leider ist es jetzt klar, wie sehr ich noch konditioniert bin. Meine Tocher, die bald 6 wird, hat Schwierigkeiten in der Schule und nachdem ich einen Therapeuten aufgesucht habe (Kinesiologie) kam heraus, dass meine ganze Zeugen-Vergangenheit aufplatzt. Zum Kinesiologen wollte ich halbwegs so gehen, da es in einer Zeitschrift verurteilt worden war. Ich kannte es von einem Bruder, der Osteopathe war, also hab ich mich doch getraut.
    Mein Verhältnis zur legitimen und gesunden Autorität ist zerstört, und dass nur, weil ich mich als Jugendliche nicht gewehrt habe, weil ich mich nicht getraut habe, aus Angst.

    Als die Ältesten mich vor 3 Jahren besucht haben, weil ich am Ende war (entweder ich gehe freiwillig in die Klappsmühle oder ich steige aus) haben sie mir soger vorgeworfen, feige zu sein, weil ich mich nicht getraut habe, meinem charismatischen und autoritären Vater zu widerlegen als dieser mich zur Taufe ‚ermutigt‘ hatte. Seitdem habe ich natürlich keinen Kontakt zu meiner Familie ausser für meine Tochter, die sie richtig während der Ferienzeit erziehen.
    Ich danke dir uns allen zu zeigen, wie ihr Gruppeneffekt funkioniert, damit wir endlich auf ein ruhigeres Leben hoffen können.

  17. Tari Tivele

    Hallo, ich bin selber in der Wahrheit aufgewachsen und hab‘ jetzt interessehalber das Buch „Goodbye Jehova“ gelesen. Ich hab mich allerdings schon vor der Taufe verdünnisiert, jetzt weiß ich was ich mir erspart habe. Der Predigtdienst war auch für mich eine Qual, ich war extrem schüchtern als Kind (mittlerweile Asperger-Diagnose bekommen, nach 28 langen Jahren! Danke für gar nix, liebe Erziehungsberechtigte und andere angebliche Vertrauenspersonen), das war meine Rettung. Gott sei dank war meinen Eltern auch die weltliche Bildung wichtig, obwohl mein Vater Ältester war (im Nachhinein weiß ich jetzt, dass ihm das Ältestenamt wahrscheinlich deshalb entzogen wurde). Von den Kongressen über die Fernsehabende bis hin zu dem merkwürdigen „Neusprech“ der Zeugen hatte ich beim Lesen jede Menge Momente, wo ich nicht wusste ob ich lachen oder weinen sollte.
    Danke!

  18. Thorsten Will

    Hi,
    ich bin keine Zeugin, war aber mit einem befreundet. Er stand mit dem Wachturm vor meinem Haus und es hat in Strömen geregnet. Später wurde eine gute Freundschaft daraus, bis irgend jemand fand, ich wäre kein passender Umgang. Seitdem grüßt er nur noch aus der Ferne.

  19. Guten Tag, Misha (ich bin so frech und duze hier, sonst bitte meckern)
    Heute hab ich dein Buch „Goodbye, Jehova!“ zu Ende gelesen, nachdem ich es als Wichtelgeschenk zu (Ironie, Ironie!) Weihnachten bekam.
    Da mich die Thematik Religionen, Gruppierungen, speziell auch Zeugen Jehovas interessiert, fand und finde ich deine Geschichte sehr spannend und aufschlussreich erzählt. Danke an dieser Stelle, dass du deine Geschichte und Gedanken mit den Lesern geteilt hast und das hier auch noch fortführst! Ich werd gewiss öfter hier reinschauen bei Gelegenheit.

  20. Eva Löchli

    Lieber Misha Anouk!
    Auch ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen – ich bewundere vor allem die große Ernsthaftigkeit bezüglich Zitierpraxis und Recherche, es ist so viel mehr als Erfahrungsbericht und Bewältigungstext. Ich bin nicht mehr jung – pensionierte Pädagogin – und hatte nie näher mit den ZJ zu tun, außer dass sie vor der Tür stehn und ich sie, wie von Ihnen gewünscht, abweise.
    Ich interessiere mich insgesamt für doktrinäre Strukturen und Menschen in Abhängigkeit, schreibe selber auch literarisch. Drückende Gewissensnot und Höllenangst kenne ich übrigens aus einer katholischen Kindheit, es gibt da wohl Parallelen zwischen den verschiedenen Gruppen. Habe auch gerade von Gerald Willms „Die wunderbare Welt der Sekten“ gelesen – Parallelen über Parallelen!
    Übrigens habe ich nach der Lektüre Ihres Buches ein Gedicht geschrieben – das kann ich schicken, wenn es Sie interessiert. Ich habe es Ihnen jetzt einmal, vorauseilend und eigenmächtig, (natürlich unveröffentlicht) gewidmet.
    Alles Gute und liebe Grüße
    Eva Löchli

  21. Tom

    Eine Frage die mich brennend interessiert ist, glauben Sie immernoch an all das was in der Bibel steht ? Sie wurden ja in der ‚Warheit‘ erzogen, glauben Sie also immernoch an das Paradies, an Gottes Königreich, ect. ?

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