Ismen

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In unserer Stadt gab es eigentlich keine Ausrede, kein Zeuge Jehovas zu sein. Zumindest, was die Nachwehen der babylonischen Sprachverwirrung betraf. Es gab fünf oder sechs deutschsprachige Versammlungen, eine spanisch-portugiesische Versammlung, eine jugoslawische, eine russische sowie eine eine chinesische und eine tamilische Gruppe.

Wir waren in der englischen Versammlung. In unserer Versammlung gab es überwiegend deutsche Glaubensgeschwister, die sich in im englischsprachigen Gebiet engagierten, weil sie das Predigtwerk unterstützen wollten, wo Hilfe dringend benötigt wurde, wie es so schön hieß. Der Rest setzte sich aus Briten, Amerikanern und People of Color aus aller Herren Länder zusammen. Unsere Versammlung war für alle Sprachen zuständig, die nicht durch eine eigene Versammlung oder Gruppe abgedeckt wurden. Im Predigtdienst besuchten wir deshalb oft die Asylantenheime, wie die Asylbewerberheime bei uns umgangssprachlich hießen. Hauptsächlich versuchten wir Menschen vom afrikanischen Kontinent sowie aus Asien zu finden, die der englischen Sprache mächtig waren: Nigeria, Ghana, Somalia, Eritrea, Äthiopien, Kenia und Indien, Sri Lanka, Bangladesh, Pakistan, Nepal, Thailand, die Philippinen, das waren die gängigen Zielgruppenländer. Wir hofften, dass sie wenigstens ein paar Brocken Englisch sprachen, ansonsten hatten wir Publikationen in so gut wie jeder möglichen Sprache dabei.

Die Sekte wirbt vermehrt um Entwurzelte und Randständige der deutschen Gesellschaft. In Asylbewerberheimen wird der Wachtturm, das Zentralorgan der Zeugen Jehovas, in der Muttersprache der Ankömmlinge durch den Zaun geschoben. In Aussiedlerunterkünften werden Insassen auf den Zimmern umworben. – Der Spiegel

Rassismus habe ich bei den Zeugen Jehovas nie erlebt. Ich habe meine Versammlung sowie die meisten ehemaligen Glaubensgeschwister als sehr weltoffene Gemeinschaft erlebt, in der Menschen jeder Hautfarbe und Herkunft willkommen waren. Natürlich gab es immer wieder mal Personen, die negativ auffielen. Aber Spinner gibt es nun mal überall. Einen Nebengeschmack hat das Ganze trotzdem: Das Predigtwerk der Zeugen Jehovas hat etwas kolonialistisches an sich. Es ist der Glaube eines weißen Mannes. So sehr man dazu ermutigt wurde, im Predigtdienst die Kultur und die Ansichten der Zielpersonen zu respektieren, so unmissverständlich war das Ziel nun mal: Die Person zu einem Bibelstudium und im Anschluss zur Taufe als Zeuge Jehovas zu bewegen.

On multiple occasions over the last 30 years, members of some Christian churches and Jehovah’s Witnesses have “harassed” Hindus both inside and outside of their temples with fliers, informational CDs and unannounced visits at local temples, Patel said.

“They’ve found that Hindus are more gullible,” Patel said.

Patel said that Jehovah’s Witnesses have waited outside of temples, which are private property, to speak with worshipers as they walk to their cars. – Triblive.com

Schließlich gibt es nur eine wahre Religion: Die der Zeugen Jehovas.

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Menschen jeder Hautfarbe und Herkunft waren also willkommen. Auch jeder sexuellen Orientierung. Solange diese vor der Tür blieb oder spätestens mit dem Mantel an der Garderobe abgegeben wurde. Ich habe nie einen homosexuellen Menschen bei den Zeugen Jehovas kennengelernt. Es gibt sie, natürlich, rein statistisch gesehen muss es sie ja geben. Aber wer Zeuge Jehovas ist, und gleichzeitig homosexuell, redet nicht darüber. Wobei die Zeugen Jehovas auch kein Geheimnis darüber machen, dass es homosexuelle Zeugen gibt. Schließlich lehnen sie nicht den homosexuellen Menschen ab, sondern seine Homosexualität.

Auch wenn die Bibel homosexuelle Handlungen missbilligt, liefert sie keine Grundlage für Homophobie oder dafür, Homosexuellen mit Verachtung zu begegnen. Christen werden vielmehr dazu angehalten: „Begegnet allen Menschen mit Respekt“ (1. Petrus 2:17, Das Buch) – jw.org

Es gibt offiziell keine praktizierenden Homosexuellen bei den Zeugen Jehovas. Sollte man einen Zeugen Jehovas kennenlernen, der von sich aus zugibt, eine homosexuelle Neigung zu haben, so wird er einem sagen, dass er seiner Neigung nicht nachgeht. Mithilfe des Gebetes, des Bibelstudiums und seiner Glaubensgeschwister findet er die Kraft, nicht schwule Dinge treiben zu müssen.

Falsche Wünsche führen zu falschem Verhalten. Will man sich von ihnen lösen, ist es wichtig, seine Gedanken zu kontrollieren. Beschäftigt man sich dagegen viel mit Gedanken, die einen in die richtige Richtung lenken, dann wird es einem leichter fallen, falsche Wünsche zu verscheuchen (Philipper 4:8; Jakobus 1:14, 15). Das kann am Anfang noch ein großer Kampf sein, aber mit der Zeit wird er leichter werden. (…) Den gleichen Kampf führen auch Millionen von Menschen, die heterosexuell sind und sich an biblische Maßstäbe halten möchten. Zum Beispiel Singles, die keinen Ehepartner finden, oder Verheiratete, deren Partner aus irgendeinem Grund nicht zum Geschlechtsverkehr in der Lage ist. Sie führen trotzdem ein glückliches Leben — und das ist auch Menschen mit homosexueller Neigung möglich, wenn sie Gott wirklich gefallen möchten (5. Mose 30:19). – jw.org

Natürlich tratschte man. Dieser Bruder wirke schwul oder jene Schwester sei doch mit Sicherheit lesbisch. Man wusste es natürlich nicht, aber man tuschelte trotzdem. Es müsse doch einen Grund geben, dass sie oder er noch immer single war, die Person sah doch viel zu gut aus, um noch single zu sein, weder arbeitete sie im Bethel noch war sie Pionier. Das musste doch was heißen. Solche Gespräche gab es immer wieder. Und dann gab es natürlich die Horrorstories: Irgendein Ältester habe seine Frau für einen Mann verlassen! Für einen Mann! Ehebruch an sich war ja schon schlimm, aber Ehebruch gepaart mit Homosexualität! Oh mein Gott!

Zuhause haben wir in der Familie Filme vermieden, es denen es „homosexuelle Propaganda“ gab. Philadelphia oder Der bewegte Mann, beispielsweise, die gingen gar nicht, genausowenig wie In&Out. Selbst Mrs Doubtfire lief bei uns auf Bewährung, da diese beiden Männer eindeutig schwul waren, aber wir schauten ihn trotzdem, irgendwie waren sie so tuntig, dass es wieder witzig war. Außerdem stand die Homosexualität nicht im Vordergrund, sie war nicht das Thema des Films, die Homosexualität wurde nicht ausschließlich positiv dargestellt, die Hauptfiguren waren nicht homosexuell, sondern nur unwichtige Nebenfiguren, Homosexualität ist eine gesellschaftliche Realität, es bringt nichts, sie zu verdrängen, in zahllosen Filmen kommt ja auch heterosexueller zügelloser Wandel vor, allerdings ist das ja auch natürlich, man darf nur nicht vergessen, das ganze kritisch zu betrachten, bla bla bla, etc. pp. So versuchte man sich eben eine heile Filmwelt zurechtzureden.

Homosexualität wurde bei uns zu Hause als abstoßend bezeichnet. Unter Zeugen Jehovas machte ma Witze auf Kosten von Schwulen, man unterhielt sich verächtlich über sie, tat angeekelt. Ich habe mich auch daran beteiligt. Heute schäme ich mich dafür.

*

Mein Vater erzählte gern folgenden Witz: »Ich bin der Herr im Haus. Mit der Erlaubnis meiner Frau.« Alle lachten. Und alle wussten: Egal, wie selbstbestimmt meine Mutter war, am Ende des Tages würde mein Vater die Entscheidung fällen. Er war das Haupt der Familie und meine Mutter akzeptierte das. Weil es so in der Bibel steht.

Damit die Frau ins Dasein kommen konnte, mußte zuerst der Mann dasein, denn sie wurde aus ihm erschaffen. Als ein Bestandteil des Mannes, als „e i n Fleisch“ mit ihm und als sein Gegenstück und seine Gehilfin war sie ihm als ihrem Haupt untertan. – Einsichten-Buch, Seite 766

Es gibt bei den Zeugen Jehovas ein »Ordnungsgefüge«, wie es im Wachtturm vom 15. Mai 2010 heißt. Die Hierarchie lautet absteigend: Jehova > Jesus Christus > Mann > Frau. Das entnehmen die Zeugen Jehovas dem ersten Korintherbrief im Kapitel 11, Vers 3. Diese Bibelstelle wird von der Wachtturm-Gesellschaft wörtlich ausgelegt.

In unserer Versammlung gab es keine weiblichen Ältesten. In unserem Kreis gab es keine weiblichen Ältesten. In unserem Bezirk gab es keine weiblichen Ältesten. In keiner verantwortlichen Position habe ich jemals eine Frau gesehen. Es gab keine weiblichen Redner, keine weiblichen Dienstamtgehilfen, keine weiblichen Kreisaufseher, keine weiblichen Bezirksaufseher, kein einziges weibliches Mitglied der Leitenden Körperschaft. Auf die Bühne durften sie zwar – aber nur in sketchartigen Darbietungen von Predigtdienstsituationen. Die biblische Belehrung von der Bühne war und ist bis heute den Männern vorbehalten.

Frauen waren mit Respekt zu behandeln. Sie sollten nicht angeschrien werden, sie sollten nicht geschlagen werden. Man half ihnen in den Mantel, man hielt ihnen die Tür auf, man hielt ihnen den Arm, wenn es ein Hindernis zu überwinden gab. Frauen verdienten Anerkennung.

Wodurch verdient sich eine Frau so viel Anerkennung? „Anmut mag Trug sein, und Schönheit mag nichtig sein“, heißt es in Sprüche 31:30, „doch die Frau, die Jehova fürchtet, ist es, die sich Lobpreis schafft.“ Wer also Ehrfurcht vor Jehova hat, wird sich auch gern in die von ihm geschaffenen Autoritätsstrukturen einordnen — und das bedeutet: „Das Haupt einer Frau . . . ist der Mann“, genauso wie „das Haupt jedes Mannes der Christus ist“ und „das Haupt des Christus . . . Gott“ ist (1. Kor. 11:3). – Wachtturm, 15. Mai 2010

Auch ich hatte mich dem Ordnungsgefüge anzupassen. Ich lernte, dass ich als Mann später Verantwortung für meine Familie und für die Versammlung übernehmen sollte. Mein Ziel sollte es sein, Ältester zu werden, und ich sollte mir eine Frau suchen, die mich bei diesen Zielen unterstützt. Eine gottgefällige, demütige Frau, das sollte das Objekt meiner Begierde sein. Natürlich hatte auch meine zukünftige Frau eine Verantwortung:

Gibt seine Frau (wenn getauft) ein gutes Beispiel? Wie sich eine Frau verhält, wirft entweder ein gutes oder ein schlechtes Licht auf ihren Mann (1. Tim. 3:ll). – Ältestenbuch (2010-Version), Seite 31.

Wenn sie eine Missetat beginge, gäbe es eindeutige Regeln:

11. Wird eine verheiratete Schwester einer Missetat beschuldigt, sollte am besten ihr Mann (wenn er ein Bruder ist) der Verhandlung beiwohnen. Er ist ihr Haupt, und seine Bemühungen, ihr wieder aufzuhelfen und den richtigen Weg zu zeigen, können sehr nützlich sein (1. Kor. 11:3). Falls ungewöhnliche Umstände eine Rolle spielen oder die Ältesten meinen, es sei im Interesse der Sicherheit der Frau besser, den Mann nicht dabei zu haben, sollten sie im Zweigbüro anrufen.

Wenn ich eine Missetat beginge, gäbe es eindeutige Regeln:

12. Handelt es sich bei dem Beschuldigten um einen verheirateten Bruder, ist seine Frau normalerweise nicht bei der Verhandlung anwesend. Wünscht der Mann jedoch, dass sie dabei ist, kann sie bei einem Teil der Verhandlung zugegen sein. Allerdings sollte das Rechtskomitee die Vertraulichkeit wahren. – Beide aus: Ältestenbuch (2010-Version), Seite 84, Hervorhebungen durch mich

Alle Menschen sind gleich. Männer sind gleicher. Aber es ist mitnichten so, dass Frauen nur stille Teilhaber wären, wie man oben genanntem Wachtturm entnehmen kann:

Frauen haben genauso wie Männer von Jehova viele schöne Aufgaben erhalten. Denken wir nur daran, was für eine große Ehre es für die 144 000 ist, Könige und Priester mit Christus zu sein, wenn er über die Erde regiert! Diese Berufung haben auch Frauen erhalten (Gal. 3:26-29). Es liegt auf der Hand: Jehova hat Frauen in dem von ihm vorgegebenen Gefüge eine durchaus aktive Rolle zugewiesen.

Wenn sie also das Glück haben, in den Himmel zu kommen, werden sie dort gleichberechtigt sein. Bis dahin, oder, wenn sie das Pech haben, auf der Erde bleiben zu müssen, haben sie sich unterzuordnen und zu schweigen. Außer im Predigtdienst natürlich. Dort dürfen sie sich so viel austoben wie sie möchten. Eine dieser „vielen schönen Aufgaben“.

Einige Glaubensschwestern waren zu meiner Zeit mächtiger, als es der Leitenden Körperschaft hätte lieb sein können. Ehefrauen von Ältesten zum Beispiel hatten oft starken Einfluss auf ihre Ehemänner und waren im Hintergrund an Entscheidungen beteiligt, die ihnen eigentlich nichts angingen. Das habe ich zu Hause häufig erlebt. Offiziell war die Rolle der Frau bei den Zeugen Jehovas folgende:

 Es gab Zusammenkünfte, bei denen die Frauen beten oder prophezeien durften, sofern sie eine Kopfbedeckung trugen (1Ko 11:3-16; siehe KOPFBEDECKUNG). Doch bei regelrecht öffentlichen Zusammenkünften, wenn die „ganze Versammlung“ sowie „Ungläubige“ an einem Ort versammelt waren (1Ko 14:23-25), sollten Frauen „schweigen“. Wenn sie etwas lernen wollten, konnten „sie zu Hause ihre eigenen Männer befragen, denn es ist schändlich für eine Frau, in einer Versammlung zu reden“ (1Ko 14:31-35).

Während es Frauen nicht erlaubt war, in einer Zusammenkunft der Versammlung zu lehren, konnten sie Personen außerhalb der Versammlung belehren, die die Wahrheit der Bibel und die gute Botschaft über Jesus Christus kennenlernen wollten (vgl. Ps 68:11), und sie durften sich auch gegenüber jüngeren Frauen (und Kindern) innerhalb der Versammlung als „Lehrerinnen des Guten“ betätigen (Tit 2:3-5). Sie sollten aber nicht über Männer Gewalt ausüben oder, beispielsweise in den Zusammenkünften der Versammlung, mit Männern debattieren. Sie sollten sich an das erinnern, was mit Eva geschah, und an das, was Gott nach der Sünde Adams und Evas über die Stellung der Frau gesagt hatte (1Ti 2:11-14; 1Mo 3:16).

Männer dienen als Aufseher und Dienstamtgehilfen. In der Erörterung über die „Gaben in Form von Menschen“, die Christus der Versammlung gibt, werden keine Frauen erwähnt. Die Worte für „Apostel“, „Propheten“, „Evangeliumsverkündiger“, „Hirten“ und „Lehrer“ haben alle männliches Geschlecht (Eph 4:8, 11). Epheser 4:11 wird in der American Translation wie folgt wiedergegeben: „Und er hat uns einige Männer als Apostel gegeben, einige als Propheten, einige als Missionare, einige als Hirten und Lehrer.“ (Vgl. NW; ferner Ps 68:18.) – Einsichten-Buch, Seite 767

Soweit ich weiß, hat sich an der Rolle der Frau bei den Zeugen Jehovas bis heute nicht großartig etwas geändert.

Misha Anouk, der Autor dieses Blogs, war bis 2003 bei den Zeugen Jehovas. In diesem Blog erzählt er aus seiner Zeit. Besuche ihn auf seiner Homepage, folge ihm bei Twitter oder werde Fan des Projektes bei Facebook!

Übrigens – nicht verpassen: Heute Abend bin ich im 1Live Talk zu Gast und rede über dieses Blog und meine Zeugen Jehovas-Vergangenheit.

Artikelvorschaubild: Sexism abounds von Ianqui DoodleBestimmte Rechte vorbehalten

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13 Gedanken zu “Ismen

  1. Sandra

    Zu Homophobie und Homosexualität: Ich zweifle daran, dass es besonders viele Homosexuelle unter den Zeugen Jehovas gibt. Sicherlich hat der eine oder andere, der in „der Wahrheit“ aufgewachsen ist, nicht den Absprung geschafft. Aber seine Sexualität niemals ausleben zu können und die konstante Stigmatisierung werden sicherlich die Mehrheit vertreiben.
    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich es früher zwar schon frauenfeindlich fand, dass Frauen die meisten Positionen nicht erreichen konnten. Aber die Gehirnwäsche war dann doch so gut, dass ich Trost in dem Gedanken gefunden habe, dass Frauen wenigstens im Predigtdienst predigen dürfen und das ist ja besser als z.B. bei den Katholiken. Ich Idiot.

  2. tanja

    Ging mir auch so, ich habe es so hingenommen. Obwohl es im Nachhinein ein absolut überholtes Weltbild ist. Genauso bescheuert ist die Vorschrift dass Frauen immer Röcke zu tragen haben und natürlich auch nur solche, die die Knie bedecken. Das hat mich schon sehr gestört. Bis heute trage ich aufgrund dessen weder auf der arbeit noch in meiner Freizeit Röcke oder Kleider. Ich muss dann immer an diese Unterordnung denken und daran, dass Frauen bei den ZJ einfach weniger wert sind als Männer…

  3. Sparlock

    „Es gibt bei den Zeugen Jehovas ein »Ordnungsgefüge«, wie es im Wachtturm vom 15. Mai 2010 heißt. Die Hierarchie lautet absteigend:
    Jehova > Jesus Christus > Mann > Frau. “

    Irgendwie fehlt mir in dieser Hierarchie die Leitende Körperschaft.
    Irgendwo zwischen Jehova und Mann müsste man sie stehen, ob vor oder nach Jesus, da bin ich mir nicht ganz sicher. 😉

  4. Kerstin

    Ich schwanke zwischen Schmunzeln und dem kaltem Graussen!

    Wobei ich es ja mal gewagt habe so mit 11-12 Jahren zu fragen warum wir als Mädchen nicht auch „Mikrofondienst“ machen dürfen. Oh weia habe selten so pikierte Gesichter gesehen wie damals…

    Wobei den letzten ach so liebevollen Tritt den ich zum Ausstieg damals benötigt habe, haben mir die Ältesten gegeben. Ich bin zurechtgewiesen worden, dass ich gefälligst in der Versammlung einen Rock zu tragen habe. Als ich die werten Herren darauf aufmerksam machte, dass ich mit dem Fahrrad zur Versammlung komme und draußen Schnee liegt, wurde dies als Ausrede aufgefasst.

    • Julia A.

      Wir haben uns als ,,fromme“ Christen immer noch in der Toilette umgezogen. Und nach der Zusammenkunft dann noch einmal. Man wollte ja nicht auffallen und nicht wie ein Interessierter aussehen. Weil bei uns ,,Brüdermangel“ herrschte, mussten wir immer gut gekleidet sein, in Rock und Bluse, könnte ja sein, dass der Vortragsredner ein junger Mann ist und ausgerechnet DER Mann, den Jehova für dich all die Jahre warmgehalten hat;)

      • Kerstin

        das ist mir damals auch als Lösung vorgeschlagen worden. War aber damals schon zu dickköpfig. Schließlich bin ich in den Hosen (Stoffhose mit Bügelfalte) auch in den Dienst gegangen. Ich währe für einen ZJ kein gutes Weibchen gewesen 🙂

      • Julia A.

        Ach so eine warst du! Bei uns wurde in der russischen nämlich von euch erzählt..die bösen bösen aus der deutschen Versammlung, gehen sogar in Hosen in den Dienst. Bei uns undenkbar! Wie sollten uns die Leute als Zeugen Jehovas auch erkennen, wenn wir wie sie gekleidet sind. Kerstin ich war fromm, und trotzdem, die Auswahl an Männern der ZJ wahr zum heulen – das, was dort rumläuft, sind für mich keine Männer. Aber genau eben die ,,Kein-Männer“ meinten, sie hätten die Wahl unter den Schwestern. Gott sei Dank hab ich nicht geheiratet…Gott sei Dank!! Ach und bis heute hasse ich Röcke…es sei denn, sie sind schön kurz;) Witzigerweise wurden wir jungen Schwestern auch in Röcken nicht beachtet. Von normalen Männern überhäuft mit Aufmerksamkeit, von Zeugen Jehovas Männern immer nur so behandelt, als wären die alle schwul und wir Abschaum. Verkehrte Welt, Wahnsinn, die armen Leute))))

  5. Tobi

    Das mit dem Mikrofondienst war echt immer ne witzige Sache… Hi ich bin Tobi und seit 16 Jahren nicht mehr bei den Zeugen Jehovas. Netter Blog. Wenn ich das alles nochmals so lese, kommen echt viele alte Erinnerungen hoch. Krasse Sache. Habe meinen Absprung letztlich aufgrund einer „weltlichen“ Freundin geschafft. War eine schwere Zeit. Man ist dann halt das verlorene Schaaf. Aber fühlte dann mich wie neu gebohren. Alles liebe.. Tobi

  6. Torsten

    Wir hatten sogar mehrere gutaussehnde, intelligente und witzige Ü30-Single-Männer in der Versammlung, die SELBSTVERSTÄNDLICH alle noch Jungfrau waren, bzw. SIND. Ich frage meine Eltern immer mal wieder, ob die denn nicht doch mal ne Freundin haben. Nö. Jetzt sind sie Ü40. Aber hoffentlich glücklich….

    • Julia A.

      Unser 33-jähriger Ältester, der ebenfalls noch Jungfrau, noch nie im Leben ne Freundin hatte, fragte mich beim Komitee, als ich gestanden hatte einen ,,Weltlichen“ Mann geküsst zu haben, ob er unter meinem T-Shirt seine Hände hatte. Wenn ja, sollte ich sagen, wo genau, und was ich dabei empfunden habe. Auf den Einwand, wozu die Einzelheiten nötig sind, wo ich doch schon gestanden habe und bereue kam die Antwort ,,Um die Schwere der Tat bestimmen zu können“. Ja, sicher. Ich war, obwohl ich 18 war, zwar eingeschüchtert, doch ich habe darauf nicht geantwortet. Wie es wohl Mädels in solch einer Lage ergeht, die jünger sind als ich? Und wieso warteten auch die zwei älteren Männer des Kommitees gespannt auf eine Antwort? Das hat mir echt zu denken gegeben, dieses eigene Rechtssystem im Internen. Von Versammlung zu Versammlung mag es unterschiedlich sein, aber der Kern bleibt meist der Selbe. Innerer Stripties.

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